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Medienkunde

Kurz nach Ostern stand auf dem Programm der Sek. Ossingen für die Erst- und Zweitklässler ein Modul „Medienkunde“. Während zweier Wochen beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit ihren Lernbegleitern mit dem Thema Medien. Dabei sollten sie sich intensiv mit Nutzen und Gefahren im Netz auseinandersetzen und so eine gute Medienkompetenz erlangen.

 

 

 

Weil das Thema immer die ganze Familie betrifft, haben sich die federführenden Lehrpersonen Tanja Güntert, Richard Keppler und Sozialarbeiterin Hedi Ben Hamo einen passenden Elternabend initiiert.

Der Elternanlass verlief spannend, weil gleich zwei ausgewiesene Fachpersonen Infos aus erster Hand liefern konnten.

Christa Gomez von der Suchtprävention Breitenstein gab zuerst einen Überblick über die wichtigsten Aktivitäten der Jugendlichen im Internet. Neben den Social Networks sind besonders bei Männern die Games beliebt, die Gefahren bergen können. Sie erwähnte Gewalt, Illegalität, Kostenfalle und Online-Sucht (bei gewissen Spielen muss man regelmässig aktiv sein, sonst ist man im Game weniger erfolgreich).
Dass Jugendliche besonders suchtgefährdet seien, liege daran, dass ihr Hirn während der Pubertät noch nicht fertig ausgebildet ist: der Frontallappen, der für Selbst- und Impulskontrolle, Urteilsvermögen und Ratio zuständig ist, muss sich noch entwickeln. Frau Gomez ermunterte die Eltern, „Ersatz für den Frontallappen“ zu sein. Die Jugendlichen also unterstützen, nicht in die Sucht zu verfallen. Sie schlägt vor, Gespräche zur Lösungssuche zu führen, die Beziehung zum Kind gut zu pflegen, Erfahrungen auszutauschen, wenn nötig auch Unterstützung zu suchen. Aber auch Vorbild zu sein, voneinander lernen, Alternativen zu bieten.

Sowohl Christa Gomez als auch Stefan Wägeli vom Jugenddienst der Kantonspolizei betonten, dass den Leuten oft nicht klar ist, dass man im Internet kaum Privatsphäre hat: was man im Netz postet, bleibt drin und ist mehr oder weniger öffentlich. Internet vergisst nicht! Man sollte nichts ins Internet schreiben, was man nicht auch laut auf dem Dorfplatz herausschreien würde!

Herr Wägeli erzählte den Eltern, was er den Schülerinnen und Schülern am Vortag mit auf den Weg gegeben hatte: wichtige Infos zum Thema „Medien und Gesetz“. Haben Sie gewusst, dass ein Kind ab 10 Jahren strafmündig ist? Dass es verboten ist, Gewalt und Pornografie zu produzieren, zu besitzen und anderen zugänglich zu machen? Neben Gewalt und Pornografie sind auch Drohungen, Nötigung und Erpressung strafbar. Jugendliche, die ihre Mitschüler so im Netz unter Druck setzen, können angezeigt und bestraft werden. Im Verdachtsfall zieht die Polizei das Handy ein und durchsucht es nach verbotenen Bildern, Texten und Filmen. Die Polizei ist für die Ermittlung zuständig, während die Jugendanwaltschaft die Strafen festlegt, welche vom Verweis über einen Arbeitseinsatz bis zu Freiheitsentzug oder Heimeinweisung reichen können.

Ein eher neueres Phänomen ist das sogenannte Sexting (zusammengesetzt aus Sex und Texting). Dabei schickt der oder die Jugendliche ein Nacktfoto von sich an einen Freund. Oft taucht das Foto dann in Gruppenchats oder sonstwo im Netz auf und verbreitet sich an Orte, von dem man sich nie träumen liesse. Denn solche Bilder können leicht weitergereicht werden. Sexting liegt rechtlich in einer Grauzone und kann nicht wirklich verfolgt werden, weil es ja nicht eigentlich ein Porno ist. Man muss sich bewusst sein, dass ein solches Bild im Netz bleibt. Deshalb sollen die Eltern mit den Kindern über diese Vorkommnisse reden und ihnen bewusst machen, dass man sich im Netz immer vorsichtig äussern  und seine Privatsphäre schützen soll. Auch beim Chatten mit Unbekannten sollte man sehr vorsichtig sein: oft steht hinter dem sympathischen jungen Mann auf dem Bild eine ganz andere Person! Da kann es hilfreich sein, das Kind bei einem ersten Treffen mit der Internetbekanntschaft zu begleiten.

Die anschliessend an die beiden Fachreferate geführte Diskussionsrunde zeigte nochmals deutlich, dass es wichtig ist, sich für die Aktivitäten der Jugendlichen im Netz zu interessieren, darüber zu reden und wenn nötig auch mal Grenzen zu ziehen. Manche Kinder geben ihr Handy nachts den Eltern ab oder das WLAN wird abends ausgeschaltet.

Auch die Eltern haben etwas von ihrem Engagement zu dem Thema: sie können viel über die Anwendungen im Internet von ihren Kindern lernen. Denn hier sind die Jugendlichen die Experten!